Diverse Elektronik-Projekte

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mgritsch
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Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von mgritsch »

Hier hatte ich schon mal die "Basisversion" am Breadboard gezeigt viewtopic.php?p=102111#p102111, so sieht das Ding jetzt fertig gebaut aus:

IMG_4151.JPG
Hinten der USB-Anschluss, links die BNC-Buchse zum Anschluss der Einstabmesskette, daneben 3 Buchsen zum Anschluss von 3 verschiedenen Temperatursensoren (DS18B20 3-Polig, PT100 4-Polig, Thermocouple 2-Polig), damit ist es auch ein sehr universelles Labor-Thermometer. Das Gerät wird mit USB (RP2040 Zero Modul) an einen Computer verbunden.

so das Innenleben:
IMG_4146.JPG
und so Präzise kann man damit messen:
IMG_E3818.JPG
Die Software zeigt ein Rauschen von ca 0,0005 pH-Einheiten Spitze-Spitze, ich denke das ist sehr okay :D

Natürlich kann die Auswerte-Software so ziemlich alles was man braucht: Temperatur-Kompensation mit gewähltem Temperatursensor, Kalibration inkl Profilverwaltung, Zeitreihen aufnehmen, klassische pH-Titration (bei jeder Eingabe eines Volumenswerts wird der pH geloggt und die Kurve gezeichnet inkl Ableitung) aber auch für den Anschluss einer Redox-Elektrode statt pH und entsprechende Redox-Titration. Die Software ist in Python geschrieben und damit plattformunabhängig und auch eine komplette .exe für Windows gibt es. Alle Daten sind als csv geloggt und weiterverarbeitbar.

Für die Fachleute hier noch der Schaltplan:, eigentlich recht simpel da der Großteil mittels fertiger "Breakout-Module" realisiert wurde:
2026-01-10 17_11_28-_pH-Meter_version3 [pH-Meter_version3] — Schaltplaneditor.png
Vielen Dank nochmal an @marbslab für die Unterstützung! :thumbsup:
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mgritsch
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Re: Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von mgritsch »

... und noch ein kleines nettes Ding - mein "Raummonitor" zur Überwachung des Raumklimas:
IMG_4174.JPG
Das Ding misst Temperatur, Luftfeuchte, Helligkeit (lux), Luftdruck, CO2 und einen "VOC-Index" (semiquantitative Aussage über diverse organische Stoffe in der Luft). Anbindung diesmal über ein ESP32-C3 WLAN Modul, damit kann es bequem überall aufgestellt werden und mit jedem beliebigen USB-Netzteil (oder Powerbank) versorgt werden. Auslesen erfolgt live übers WLAN. Sensoren für Druck und Temperatur sind kalibriert und die Werte temperaturkompensiert. Alles wurde komplett mit Breakout-Modulen realisiert (ESP32-C3, BMP180, SGP40, SCD30, VEML7700), hier ist die Elektronik wirklich trivial, man muss nur richtig verbinden.

Die Software ist wieder in Python geschrieben:
IMG_E3869.JPG
Das Modul schickt Werte im Sekundentakt, die Software bildet daraus über einstellbare Zeitintervalle Mittelwerte (die graue "Hüllkurve ist min/max in dem Intervall), wie üblich logging als csv für weitere Bearbeitung wenn gewünscht :)
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Schnippschnapp
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Re: Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von Schnippschnapp »

cool. Um paranormale Aktivitäten zu registrieren in alten Häusern bei Nacht, oder? Fehlt nur noch ein sensibles Richtmikrofon. :thumbsup:
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MarbsLab
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Re: Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von MarbsLab »

Der Raummonitor ist ja cool :thumbsup: . Habe ich schon seit langem vor, bin aber leider noch nicht dazu gekommen.
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mgritsch
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Re: Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von mgritsch »

Schnippschnapp hat geschrieben: Samstag 10. Januar 2026, 18:10 cool. Um paranormale Aktivitäten zu registrieren in alten Häusern bei Nacht, oder?
ich denke dafür sind die gemessenen Werte doch zu physisch ;)
Fehlt nur noch ein sensibles Richtmikrofon. :thumbsup:
an sowas hatte ich ehrlich gesagt auch gedacht, Lärmpegel sind vermutlich sogar relevanter als Luftdruck...
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mgritsch
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Re: Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von mgritsch »

... und das ist übrigens mein neuer Lieblings-Temperatursensor:
IMG_4177.JPG

ein PT100 Dünnschicht Typ Klasse A gefunden bei ebay, https://ebay.us/m/Fty3Y0.
Das Ding ist gerade mal 2mm breit, dazu ein passendes 4-adriges Kabel das passt dann auch bequem in ein übliches 6mm Glasrohr :)
Klasse A und als 4-Wire ausgeführt erlaubt dann eine sehr gute Präzision und auch beliebige Kabellängen. Kalibrieren muss man ihn trotzdem wenn es auf < 1°C genau sein soll (ITS-90 Modell und darauf dann 2-Punkt) aber das ist ja kein Problem, erledigt alles der Rechenknecht live :D

Vorteil gegenüber DS18B20 ist der größere Temperaturbereich in dem er eingesetzt werden kann (so lange bis das Kabel schmilzt... ;) ) und durch seine Kleinheit die deutlich geringere träge thermische Masse = rasches Ansprechen.

Thermocouple verfluche ich nur noch seit dem ich mich damit genauer befasst habe...
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MarbsLab
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Re: Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von MarbsLab »

mgritsch hat geschrieben: Samstag 10. Januar 2026, 19:05 so lange bis das Kabel schmilzt... ;
Silikomummantelte Kabel halten höhere Temperaturen aus :) . Da schrumpft die Ummantelung auch nicht beim Löten. Ansonsten gibt's da noch Glasfaserummantelung, die man oft bei Thermoelementen sieht.
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Re: Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von mgritsch »

MarbsLab hat geschrieben: Samstag 10. Januar 2026, 19:55 Silikomummantelte Kabel ... Glasfaserummantelung, ...
theoretisch alles fein, aber wo gibt's das als 4-adriges Kabel mit <4 mm Durchmesser zu kaufen?
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MarbsLab
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Re: Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von MarbsLab »

mgritsch hat geschrieben: Samstag 10. Januar 2026, 20:07 aber wo gibt's das als 4-adriges Kabel mit <4 mm Durchmesser zu kaufen?
Du kannst ja dein vieradriges Kabel verwenden, nur die ersten 20-30 cm mit vier dünnen Silikonkabeln verlängern, zum Pt100/1000 :)
Gibt es zum Beispiel bei Amazon in allen möglichen Durchmessern und Farben. Der Leitungsquerschnitt wird oft in AWG angegeben. Umrechnungstabelle findest du hier: https://www.litze24.de/produktinfos/kab ... n/awg.html
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lemmi
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Re: Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von lemmi »

Sehr spannend! Ich frage mich, wie die Sensoren das alles messen. Vor allem die Substanzen, natürlich. Wie funktioniert der CO2-Sensor? Und wie der für " organische Stoffe" (welche denn?) in der Luft?

Bei letzterem stelle ich mir aber auch die Frage nach dem Sinn der Messung: was wird da überhaupt gemessen und was sollen die Messergebnisse bedeuten? Gibt's dazu irgendwelche belastbaren Studien?
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mgritsch
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Re: Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von mgritsch »

lemmi hat geschrieben: Sonntag 11. Januar 2026, 09:06 Wie funktioniert der CO2-Sensor?
Das ist tatsächlich ein mini-IR-Spektrometer! In dem schwarzen größeren Ding ist am dicken Ende ein IR-Emitter (sieht man im Betrieb immer wieder schwach gelblich aufleuchten) und das Licht geht parallel (oder genauer: radial, deswegen die leicht schräge Anordnung) durch 2 Messröhren an deren Ende die Detektoren sitzen, einer mit einem Filter auf 4,3μm Wellenlänge wo CO2 maximal absorbiert und der andere bei einer Wellenlänge wo es minimale Absorption/Interferenz durch sonstige Gase gibt (konnte ich nicht finden welche genau). Diese Art Sensor (NDIR dual channel) ist die spezifischste und genaueste am Markt (auf 30 ppm genau angegeben).
Und wie der für " organische Stoffe" (welche denn?) in der Luft?
Das ist ein MOX (metal oxide) Sensor. Eine sehr dünne Schicht aus dotiertem Zinn-, Molybdän- oder Wolframoxid sitzt zwischen Elektroden und der Widerstand wird gemessen. In vollständig oxidierter Form ist er am höchsten, wenn Stoffe die Schicht teilweise reduzieren sinkt er (Bildung von Fehlstellen) bzw re-oxidiert sich selbst an der Luft. Die Schicht muss dazu geheizt werden (~300-350°C AFAIK) aber natürlich nur an einer winzigen Stelle, der Sensor selbst ist nicht merklich warm (wenn ich meinen PT100 drauf lege vielleicht 2° über Umgebung angezeigt). Da das Messprinzip stark von Temperatur aber auch Luftfeuchtigkeit abhängig ist muss man ihm bei der Messung von außen die Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit „schicken“ und er antwortet mit dem korrigierten Widerstandswert. Natürlich sind solche Sensoren auf viele Stoffe empfindlich, aber auch jeweils sehr unterschiedlich, auf Ethanol zB stark, auf Kohlenwasserstoffe deutlich weniger. Ein quantifizierbares Signal kann man bei einem Gemisch definitiv nicht erwarten, wenngleich manche Hersteller in ihren Produkten die Frechheit haben eine Anzeige in ppb daraus zu machen (das basiert dann auf irgendwelchen Annahmen wie „übliche nicht belastete Raumluft hat etwa 100 ppb“). Ich nutze nur einen einfachen „Index“ bei dem die prozentuelle Änderung (um einen Faktor 4 verstärkt) zu einem „Normalzustand saubere Raumluft“ ermittelt wird.

marbslab hatte letztens viewtopic.php?p=102475#p102475 einen 4fach Sensor gezeigt, da sitzen dann 4 Stück mit unterschiedlichen Dotierungen drauf die leicht andere Ansprechcharakteristik auf verschiedene Chemikalien bedingen. Roh liefern die einfach 4 Widerstandswerte. Wenn man die Geduld (und die Gasgemische dafür) hat, dann kann man versuchen aus der Kombination/Verhältnisse der 4 Werte mittels PCA (principal component analysis) ein Modell für eine spezifische und quantitative Aussage zu entwickeln, aber da würde ich limitierten Erfolg erwarten.
Bei letzterem stelle ich mir aber auch die Frage nach dem Sinn der Messung: was wird da überhaupt gemessen und was sollen die Messergebnisse bedeuten?
Was bedeutet es - da ist mehr oder weniger organisches (reduzierendes) Zeug in der Luft („es stinkt" ;) )
Wird zB in automatischen Lüftungssystemen genutzt um die Lüftung anzusteuern. In Umgebungen wo Gefahrstoffe gehandhabt werden (Gas, flüchtige Stoffe) kann es auch als Warnsensor für Austritt genutzt werden.

Tatsächlich sind die Dinger durchaus empfindlich. Wenn ich die Badezimmertür nach dem Duschen öffne, dann gibt es bald danach einen kleinen Ausschlag am Sensor im Wohnzimmer. Wenn gekocht wird steigt er schön und man kann sogar merken wann der Deckel vom Topf genommen wurde. Ein Mon Cheri in 1 m Entfernung davon essen gibt ca 5-10 Indexpunkte Ausschlag, einen Schluck Wein nehmen und in seine Richtung hauchen lässt ihn sehr stark ausschlagen.
Gibt's dazu irgendwelche belastbaren Studien?
:lol: was erwartest du da? Sowas ist ein weit verbreitetes kommerzielles Messprinzip.. sicher gibt es jede Menge Publikationen über MOX Sensoren…
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lemmi
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Re: Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von lemmi »

mgritsch hat geschrieben: Sonntag 11. Januar 2026, 11:25 :lol: was erwartest du da? Sowas ist ein weit verbreitetes kommerzielles Messprinzip.. sicher gibt es jede Menge Publikationen über MOX Sensoren…
Naja, ich dachte das macht man wegen gesundheitlicher Konsequenzen. Offenbar eine deformacion professionelle ... 8)
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mgritsch
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Re: Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von mgritsch »

lemmi hat geschrieben: Sonntag 11. Januar 2026, 12:43 Naja, ich dachte das macht man wegen gesundheitlicher Konsequenzen. Offenbar eine deformacion professionelle ... 8)
Messung =/= Interpretation.

In dem Fall wäre das auch nicht sinnvoll möglich. Formaldehyd wäre in geringer Konzentration langfristig schädlich, CO nur in relativ hoher Konzentration kurzfristig, H2 gar nicht (zumindest solange man nicht die Explosionsgrenze erreicht) und alle würden ein ähnliches Signal geben.

Ohne vorherige Trennung (GC) sind keine Schlüsse außer den oben genannten (Lüften empfohlen oder Gefahrstoff in größerer Menge ausgetreten) möglich.
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Re: Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von lemmi »

Jetzt könnte ich ja anfangen grundlegende Fragen zu erörtern. Eine Messung macht nur einen Sinn wenn man das Ergebnis interpretiert. :wink: Aber ich verstehe jetzt , wofür die Dinger eingesetzte werden.

Wobei... Zum Lüften könnte man auch den Biosensor ( Nase) einsetzen :)
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Re: Diverse Elektronik-Projekte

Beitrag von mgritsch »

lemmi hat geschrieben: Sonntag 11. Januar 2026, 16:56 Wobei... Zum Lüften könnte man auch den Biosensor ( Nase) einsetzen :)
wie überaus profan! ;)
Der Biosensor hat leider eine sehr große Streuung zwischen verschiedenen Exemplaren und er neigt zu einer starken Drift (Gewöhnung). Kalibration nahezu unmöglich. :angel:
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