mgritsch hat geschrieben: Sonntag 4. Mai 2025, 22:11
(Fast) niemand ist an der Identifikation von Bestandteilen interessiert, das wäre ja schon fast Reverse Engineering und Industriespionage
Das kann man so auf keinen Fall stehen lassen und hat überhaupt nichts mit Reverse Engineering und Industriespionage zu tun. In sehr vielen Fällen ist eine Identifikation von Bestandteilen wichtig, um eine Möglichkeit zum Nachbessern zu haben, wie etwa, um Abweichungen von Grenzwerten (zum Beispiel Phtalate) gegenzusteuern. Besonders gilt das dann, wenn das Produkt aus vielen Einzelteilen besteht, die von vielen Zulieferen kommen. Um Zeit und Geld zu sparen, analysiert man oft auch Mischproben. Man glaubt gar nicht, was alles plötzlich in irgendwelchen Materialien oder Bauteilen auftauchen kann. Selbst in der Produktion können Bauteile zum Beispiel durch Schmierstoffe der Produktionsmaschinen kontaminiert werden oder durch den Fabrikarbeiter, der das Produkt am Ende mit einem versifften Lappen abwischt, bevor es in die Verpackung kommt.
Alle Produkte, die zum Beispiel Lidl oder Aldi vertreiben, werden chemisch untersucht, ob sie den EU-Richtlinien entsprechen. Meistens wird in der Vorproduktion untersucht, in der Massenproduktion und der Lagerbestand, wenn die Ware in der EU angekommen ist. Wenn du Lieferant von Lidl bist, der in Asien 300.000 Kompressoren fertigen lässt, verlässt du dich ganz bestimmt nicht auf eine puristische FID-Kiste in einem Hinterhof-Labor. Die Kompressoren müssen zwischendurch genau mit den selben Methoden (und am besten noch mit den gleichen Analysegeräten) und noch viel öfters getestet weden, wie Lidl das tut, (meist beauftragen sie TÜV Süd damit). Sollte am Ende die Konformität nicht gegeben sein, nimmt Lidl die Ware nicht ab und man bleibt auf 300.000 Kompressoren im Lidl-eigenen Design und Verpackung sitzen, die man, wenn man Glück hat, vielleicht noch einzeln nach Usbekistan verscherbeln kann.
VOC betrifft eine riesige Anzahl von Sustanzen, aber dazu kommen noch Pestizide, Fungizide, Herbizide Schwermetalle etc (Holz wird auch für Kinderspielzeug verwendet, Saunabereich, Eßbesteck usw). Wenn man das mehr aufdröselt, ist selbst der Naturstoff Holz ein sehr komplexes Thema und nicht einfach Formaldeyd und VOC. Gekoppeltes MS ist heute Standard in der Industrie, wenn man die Tests outsourced sowieso. Mir ist noch nie ein akreditiertes oder firmeninternes Prüflabor untergekommen, das nicht damit arbeitet. In einem 20-Mann Betrieb mit einer kleinen Produktpalette und marginalen Stückzahlen vielleicht, aber das ist keine Industrie.