Nachweis und Bestimung von Sildenafil in angeblich pflanzlichen Potenzmitteln

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lemmi
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Nachweis und Bestimung von Sildenafil in angeblich pflanzlichen Potenzmitteln

Beitrag von lemmi »

Nachweis und Bestimung von Sildenafil in angeblich pflanzlichen Potenzmitteln

Bei einem Spaziergang durch Bogotá fand ich auf der Plaza de Bolivar einen mobilen Verkaufsstand, an dem ein netter Mensch diverse Kräutermittelchen anbot. Aufmerksamkeit weckte die Auslage durch große Plakate, auf denen Cannabis- und Koka-Präparate angeboten worden, aber das eigentlich Interessante war etwas anderes. Auf dem Tisch war eine ganze Reihe, offensichtlich für eine männliche Kundschaft bestimmter, “natürlicher Stärkungsmittel“ ausgestellt. Neben großen Flaschen deren Etiketten pornografische Darstellungen zierten, lagen dort eine Reihe kleiner Plastikdosen, die in Folie eingeschweißt waren und so vielversprechende Namen wie Vitafer, El Toro (“der Stier“) und Mero Macho (schwer zu übersetzen, so etwa “pures Mannsein“) trugen. Vor allem letzteres wurde mir als hervorragend wirksam angepriesen. Jede Schachtel kostete 5000 COP (etwa 1 Euro). Ich kaufte eine von jeder Sorte, und der nette Mensch schenkte mir mit einem Augenzwinkern eine weitere dazu. Offenbar versprach er sich davon, dass ich als Multiplikator tätig werden würde.

Verkaufsstand Plaza de Bolívar 1.jpg
Auslage Potenzmittel.JPG

Natürlich erregen die Produkte sofort den Verdacht, dass hier gepanscht wird. Seit der Markteinführung von Sildenafil (Viagra®) ist die Substanz weltweit als nicht deklarierter Bestandteil in “Naturmitteln“ zur Steigerung der männlichen Potenz nachgewiesen worden. Auch andere Analoga, wie Tadalafil, sind aufgetaucht, aber Sildenafil ist auf diesem grauen Arzneimittelmarkt der absolute Marktführer. Die Analyse bzw. der Nachweis des Wirkstoffes war also nicht allzu herausfordernd, doch wollte ich auch eine quantitative Bestimmung druchführen. Der Kontext ist ebenfalls interessant.


Material/Geräte:

Reagenzgläser, Stopfen, Ausrüstung für horizontale DC, Pipetten, Messzylinder, kleine Soxhlet-Apparatur (50 ml), Wasserbad, Destilliervorrichtung, Aquarien-Luftpumpe, Analysenwaage, Magnetrührer, Bürette, Messpipette 10 ml,


Chemikalien:

Aceton Warnhinweis: attn Warnhinweis: f
Ammoniaklösung 25 % Warnhinweis: attn Warnhinweis: c Warnhinweis: n
Ethylacetat Warnhinweis: attn Warnhinweis: f
Methanol Warnhinweis: f Warnhinweis: t Warnhinweis: xn
Iodlösung 0,1 N Warnhinweis: c
Benedikts Reagenz Warnhinweis: attn Warnhinweis: n Warnhinweis: c
basisches Kupfercarbonat Warnhinweis: t Warnhinweis: c Warnhinweis: n
Kupfersulfatlösung 5 % Warnhinweis: attn Warnhinweis: c Warnhinweis: n
Natronlauge 3N und 0,1 N Warnhinweis: c
Salzsäure 0,1 N Warnhinweis: c
Methylrot-Mischindikator Ph. Eur. Warnhinweis: attn Warnhinweis: f

Analysengut:
Angeblich pflanzliche Potenzmittel in Tablettenform


Beschreibung der untersuchten Tabletten:

Die Döschen sind (neben dem Inhalt, der - es sei vorweggeschickt - bei allen identisch ist) besonders durch ihre Aufmachung interessant. Sie sind 23 x 27 mm groß und 11 mm hoch, von roter oder goldener Farbe und von einer dünnen Plastikhülle umgeben, die mit Angaben zur (angeblichen) Zusammensetzung und Einnahmehinweisen bedruckt ist. Man benötigt eine Lupe um sie richtig lesen zu können. Auf dem Etikett von Mero Macho heißt es beispielsweise:


“Dosierung: eine Tablette 45 Minuten vor der Aktivität einnehmen
Indikation: Coadyuvans, natürliches Stärkungsmittel
Zusammensetzung: jede Tablette enthält Extrakt aus Miura Puana-Rinde 125,000 mg. Extrakt
Aus Tribulus Terrestris-Früchten 150,000 mg. Damnacantal 100,000 mg. Damiana 125,000 mg. Catuama 50,000 mg. Maca 50,00 mg. Borojó 50,00 mg. Pollen 25,000 mg. Ginseng 75,000 mg. Gelee Royale 50,000 mg.“


Macht zusammen 800 mg (die Nachkommastellen stehen da wirklich!). Dass die Tabletten im Durchschnitt knapp 260 mg wiegen … geschenkt! Spannend ist die bunte Zusammenstellung von altbekannten und neuen Naturprodukten, denen eine günstige Wirkung auf die Manneskraft nachgesagt wird. Miura puana ist ein Baum aus Brasilien, der in Deutschland als “Potenzholz“ bekannt wurde. Borojó ist eine in Südamerika weithin verzehrte, mispelartige Frucht (die m.E. scheußlich schmeckt), der ebenfalls aphrodisierende Eigenschaften nachgesagt werden. Pollen, Gelee royale und Ginseng sind allgemein als biologische Wundermittel bekannt. Maca bezieht sich auf die aus Peru stammende Pflanze Lepidium meyenii, der dasselbe zugeschrieben wird. Catuama (eigentlich Catuaba) ist eine Mischung diverser Baumrinden aus Brasilien mit angeblich potenzstärkender Wirkung. Damnacantal und Damiana musste ich erstmal googeln. Letztere ist eine mexikanische Heilpflanze (Turnera diffusa), und ersteres ein Anthrachinonderivat, das in der Wurzel der indischen Maulbeere Morinda citrifolia vorkommt.
Dem Verbraucher wird versichert:

“Kontraindikationen: beim Gebrauch dieses Produktes sind keine Kontraindikationen oder unerwünschte Wirkungen bekannt geworden.“

Wäre ja auch noch schöner, bei einem so reinen Naturmittel!

Die Liste der betrügerischen Angaben ließe sich fortsetzen. So findet sich eine – sicher fiktive – Registriernummer des Mittels (angeblich bei der ecuadorianischen Gesundheitsbehörde) und ein Herstellungs- sowie ein Verfallsdatum. Mit Mero Macho reist man zurück in die Zukunft: ich habe die Tabletten zwei Monate vor dem angegebenen Herstellungsdatum gekauft! Interessant ist auch die grafische Gestaltung. Das Emblem erinnert an eine rechtspopulistische deutsche Partei. Der nach oben gebogene Pfeil soll eine energische Wende zurück zu einer Größe symbolisieren, die in dieser Form nie existiert hat. Die Alternative für alle, die keinen hochkriegen.

Schacteln.jpg

Die Aufmachung der beiden anderen Präparate steht demgegenüber an Subtilität und Kreativität weit zurück. El Toro bedient sich einfach des Stiers als Symboltier für Potenz. Auch die Gebrauchsanweisung ist klar und unverblümt “Dreißig Minuten vor dem Koitus einnehmen“ steht da. Man muss schon die Uhr stellen! Vitafer schließlich zeigt einen stilisierten Löwen und enthält angeblich nur Vitamine und Mineralstoffe. Der Name verheißt eine Stählung des Lebens (lateinisch vita = Leben, ferrum = Eisen) oder vielleicht denken die Latinos dabei auch an das spanische feroz = wild, gewaltsam. Die Aufmachung ist von einem legalen Multivitaminpräparat gleichen Namens abgekupfert und die angegebene Zusammensetzung ebenfalls. Darin sind u.a. PHB-Ester als Konservierungsstoffe genannt, die nur in flüssigen Zubereitungen einen Sinn machen.

Schachteln offen 37.jpg
Tabletten.jpg

Im Inneren der Schachteln befinden sich jeweils drei (nicht, wie auf der Umhüllung angegeben, zwei!) identische Tabletten. Sie messen 9 mm im Durchmesser und 4 mm in der Höhe und sind leicht bikonvex geformt, hellgrau mit einigen dunkleren Sprenkeln. Ihr Gewicht schwankt (ich habe 9 Stück ausgewogen) zwischen 249 und 266 mg. Die Tabletten sind sich dermaßen ähnlich, dass man eine einheitliche Herkunft annehmen muss. Wie sich zeigte, ist auch die Zusammensetzung identisch, mindestens qualitativ.


Analyse der Inhaltsstoffe:

In der Analysenbeschreibung werden die Namen der Proben wie folgt abgekürzt:
Mero Macho = MM
El Toro = ET
Vitafer = VF


1. Tablettenmatrix:

Die Tabletten lassen sich leicht zu einem hellgrauen Pulver zerreiben. Je 100 mg wurden mit 3 ml Wasser geschüttelt und erwärmt. Das Pulver löste sich in allen Fällen nahezu vollständig auf. Die neutral reagierenden, trüben Flüssigkeiten wurden zentrifugiert und der Bodensatz mikroskopiert. Er sah bei MM und VF gleich aus, bei ET etwas verschieden:

mikrokristalline Cellulose 1.jpg
Bodensatz einer Lösung von MM und VF-Tabletten

mikrokristalline Cellulose 2.jpg
Bodensatz einer Lösung von ET-Tabletten

Identifizierbare Pflanzenbestandteile lassen sich nicht erkennen. Das mikroskopische Bild lässt an Zellulose denken. Mikrokristalline Zellulose ist ein häufig verwendeter Hilfsstoff bei der Tablettenherstellung. Daher wurden die Lösungen dekantiert und der Bodensatz jeweils mit 1 ml Schweizers Reagenz (Anm. 1) geschüttelt. Es entstand jedes Mal eine klare Lösung, auch nach Verdünnen mit der doppelten Menge Wasser:

Schweitzers Reagenz.jpg
Klare Lösung von Zellulose in verdünntem Schweizers Reagenz

Der Überstand wurde in drei Teile geteilt. Zum ersten Drittel wurde jeweils ein Tropfen Iodlösung gegeben, was lediglich eine gelbbraune Farbe hervorrief. Das zweite Drittel wurde mit 3 ml Benedikts Reagenz versetzt und im Wasserbad erhitzt. In allen Fällen trat rasch eine Reduktion des Kupfers zu Kupfer(I)-oxid ein. Der dritte Teil wurde mit 3 Tropfen Kupfersulfatlösung und dann tropfenweise mit Natronlauge versetzt. Es entstand eine blaue, aber keine violette Färbung. Die Matrix enthält also gemahlene Zellulose, einen reduzierenden Zucker (in Tabletten wird meist Lactose verwendet) und keine Stärke oder Gelatine.

Iodlösung.jpg
Test auf Stärke mit Iod

Benedikt Reagenz.jpg
Test auf reduzierende Zucker mit Benedikts Reagenz

Der Zucker wurde dann dünnschichtchromatographisch identifiziert, wie es bei der Analyse von MaXdream beschrieben wurde. Das Chromatogramm bestätigt den Verdacht, dass es sich hier um Lactose handelt:

DC 6.11.25 - Kohlenhydrate.jpg
DC Kohlenhydrate, v.l.n.r.: Glucose - Fructose – MM – ET – VF – Saccharose – Lactose


2. Nachweis von Sildenafil:

Zunächst wurde geprüft wie sich die in Frage kommenden Wirkstoffe Sildenafil und Tadalafil nachweisen lassen. Dazu wurde käufliche Tabletten gepulvert und einmal mit Aceton, einmal mit Methanol geschüttelt. Sildenafil wird als Citrat angewandt, weswegen bei der Sildenafiltablette zugleich ein Tropfen Ammoniaklösung zugegeben wurde, um die Base freizumachen. Es zeigte sich, dass sich die Wirkstoffe in beiden Lösungsmitteln ausreichend gut lösen, um für eine DC geeignete Proben zu erhalten (Anm. 2). An Fließmitteln wurden zwei Zusammensetzungen aus der Literatur vergeblich geprüft (Anm. 3). Schließlich fand ich, dass das Pharmaka-Standardlaufmittel (Ethylacetat 8,5 + Methanol 1,0 + Ammoniaklösung 0,5) gute Resultate zeitigt. Beide Substanzen bewirken eine Fluoreszenzlöschung (Rf für Sildenafil ca. 0,35, für Tadalafil ca. 0,5). Sildenafil lässt sich außerdem mit Dragendorffs Reagenz anfärben, Tadalafil dagegen nicht.

Nun wurden je 50 mg der gepulverten Tabletten mit 50 µl Ammoniaklösung und 5 ml Aceton in Reagenzgläser gegeben, im Wasserbad kurz erwärmt, verschlossen, geschüttelt und 1 Stunde stehen gelassen. Der klare Überstand dient als Untersuchungslösung.

DC 6.11.25 - PDE5-Hemmer.jpg
DC mit Standardlaufmittel, v.l.n.r.: Sildenafil – MM – ET – VF – Tadalafil

Die Anwesenheit von Sildenafil in allen untersuchten Tabletten ist damit erwiesen. Die Konzentration der Vergleichslösungen betrug ca. 1 mg/ml, die der Untersuchungslösungen ist offenbar höher. Wenn man eine doppelt so hohe Konzentration annimmt, errechnet sich ein Sildenafilgehalt von etwa 50 mg pro Tablette – eine übliche pharmakologische Dosis.


2.1 Quantitative Bestimmung von Sildenafil:

Um den Gehalt der Präparate quantitativ zu bestimmen, wurden 4 Tabletten (zweimal MM und je einmal ET und VF) pulverisiert und in einem kleinen Soxhlet zunächst mit einer Mischung aus 0,5 ml Ammoniaklösung und 25 ml Aceton übergossen, eine halbe Stunde mazeriert und dann nach Zugabe weiterer 30 ml Aceton binnen einer Stunde erschöpfend extrahiert. Die klare Lösung wurde in einem gewogenen Kolben destillativ eingeengt. Der gelbliche Rückstand wog 149,8 mg. Da er noch leicht nach Ammoniak roch wurde er von den Kolbenwänden abgekratzt, aber im Kolben belassen, dieser in warmes Wasser gestellt und Luft durchgeleitet, bis der Ammoniakgeruch völlig verflogen war. Nach dem Abkühlen wurden 10,0 ml 0,1 N Salzsäure in den Kolben pipettiert. Der Rückstand löste sich nur zum kleinen Teil. Nun wurden 5 ml Wasser zugegeben, der Kolben verschlossen und unter Rühren kurz im heißen Wasserbad erhitzt. Es bildete sich eine klare gelb-bräunliche Lösung, die sich beim Abkühlen erneut trübte. Es wurden zwei Tropfen Methylrot-Mischindikator zugegeben und mit 0,1 N Natronlauge bis zum Verschwinden der rotvioletten Farbe titriert. Der Umschlag erfolgte scharf. Es wurden 6,9 ml NaOH verbraucht. Ein Milliliter 0,1 N HCL entspricht 47,46 mg Sildenafil, somit 3,1 x 47,46 = 147 mg. Der Wert stimmt sehr gut mit dem Wägeergebnis überein. Leider habe ich den Kolben nach dem Durchleiten der Luft nicht erneut gewogen. Es ist gut möglich, dass dabei noch ein geringer Gewichtsverlust eingetreten war.


Anmerkungen:
1. Schweizers Reagenz wurde ex tempore hergestellt indem 1 Reagenzglasrundung basisches Kupfercarbonat in 1,5 ml conc. Ammoniaklösung und 2,5 ml Wasser gelöst wurden.
2. bei Raumtemperatur habe ich für die gesättigten Lösungen eine Konzentration von 19 mg Sildenafil/ml Aceton und 0,5 mg Tadalafil/ml Aceton gefunden. Die Löslichkeit in der Wärme ist deutlich besser, so dass beide Substanzen aus der acetonsichen Lösung beim Erkalten teilweise auskristallisieren.
3. die getesteten Laufmittel waren: Methanol + Wasser + Ammoniaklösung = 75 + 20 + 5 [3], und Chloroform + Methanol + Diethylamin = 80 + 20 + 2[1],[2]. In ersterem liefen die Substanzen alle an der Laufmittelfront. Mit dem zweiten lagen die Spots bei einem Rf um 0,8 und zwischen Sildenafil und Tadalafil fand sich kein Unterschied.


Entsorgung:

Die kupferhaltigen Flüssigkeiten kommen zu den anorganischen Abfällen. Die austritrierte Lösung wird mit dem Abwasser entsorgt.


Erklärungen/Diskussion:

Die untersuchten Produkte sind alle sehr ähnlich zusammengesetzt: die Tablettenmatrix besteht aus einem Gemisch aus Milchzucker und feingemahlener/mikrokristalliner Zellulose, wobei dieselbe bei zweien der drei Präparate offenbar von minderer Qualität ist. Weiter enthalten die Tabletten Sildenafil. Die Detektion dieses Stoffes ist durch seine Fluoreszenzlöschung bei Anwendung des Standardlaufmittels gut möglich, ebenso die Differenzierung von Tadalafil.

Die Quantifizierung von Sildenafil gelingt über eine Rücktitration mit 0,1 N Natronlauge nach Lösen der isolierten Substanz in 0,05 N - 0,1 N Salzsäure in der Wärme. Sildenafil besitzt einen pkB-Wert von 5,3.[4] Für eine 0,025-molare Lösung errechnet sich daraus ein pH am Äquivalenzpunkt von 5,6, so dass Methylrot, bzw. der Mischindikator nach Tashiro, für die Titration geeignet ist. Da ich 4 Tabletten aus verschiedenen Schachteln zusammen analysiert habe, ist der gefundene Wert von knapp 37 mg pro Tablette nur ein Durchschnittswert (es ist möglich, dass die mir als besonders wirksam angepriesenen Tabletten des Mero Macho 50 mg enthalten und die anderen beiden nur je 25 mg). Jedenfalls ist die angegebene Titrationsmethode befriedigend genau.

Seit Menschengedenken gibt es Bemühungen, der schwächelnden männlichen Potenz – im medizinischen Sprachgebrauch als erektile Dysfunktion (ED) bezeichnet – nachzuhelfen. Die Vielzahl der aus allen Kulturen bekannten traditionellen Mittel legt davon Zeugnis ab. Diese Substanzen haben ganz überwiegend eine symbolische Wirkung (Tigerpenis, gepulvertes Nashorn), manche wirken reizend auf den Urogenitaltrakt (die berühmten Spanischen Fliegen mit dem Wirkstoff Cantharidin) oder haben schwache gefäßerweiternde Wirkungen (wie das Alkaloid Yohimbin aus der Yohimberinde). Keines dieser Präparate hat eine nachweisbare, spezifische Wirkung bei ED, dagegen besitzen sie teilweise gefährliche Nebenwirkungen. Cantharidin kann bereits in niedrigen Dosen zu Nierenschäden und Yohimbin zu gefährlichen Kreislaufreaktionen (Blutdruckabfall) führen. Die Situation änderte sich grundlegend erst gegen Ende des letzten Jahrhunderts durch die Entdeckung der PDE-5-Hemmer, die auf einem Zufall beruht.

Sildenafil.jpg
Sildenafil.jpg (15.64 KiB) 939 mal betrachtet

Sildenafil war als Inhibitor des Enzyms Phosphodiesterase-5 gezielt entwickelt worden, weil man sich einen therapeutischen Nutzen der gefäßerweiternden Substanz auf die Durchblutung der Herzkranzgefäße versprach. Leider verliefen entsprechende klinische Studien negativ. Bei Studienende fiel jedoch auf, dass sich mehrere männliche Probanden weigerten, die ihnen überlassenen Testtabletten zurückzugeben. Interviews mit den Studienteilnehmern ergaben, dass sie eine potenzsteigernde Wirkung bemerkt hatten.[5] In der Folge wurde diese zur eigentlichen Indikation ausgebaut, und 1998 kam Viagra® als erster PDE-5-Hemmer zur Behandlung der ED auf den Markt. Die Wirkung beruht in der Tat auf einer Gefäßerweiterung, in diesem Falle der venösen Gefäße des Corpus cavernosum des Schwellkörpers im Penis. Später wurde erkannt, dass auch die Lungenarterien auf die Substanz reagieren. Der Lungenbluthochdruck – die primäre pulmonale Hypertonie – wurde zu einer zweiten Indikation für die Gabe von Sildenafil. Weiter hat es sich zur Prophylaxe und Behandlung des Höhenlungenödems bewährt.

Sildenafil wirkt, wie gesagt, gefäßerweiternd über eine Hemmung der Phosphodiesterase. Dieses Enzym spaltet das cyclische Guanosinmonophopshat (cGMP), das die physiologischen Wirkungen vermittelt, zu einfachem Guanosinphosphat, welches diese Wirkungen nicht besitzt. Die Synthese von cGMP in den Zielzellen wird ihrerseits durch endogen gebildetes NO (Stickstoffmonoxid) stimuliert. Die NO-Freisetzung kann ebenfalls pharmakologisch beeinflusst werden, z.B. durch Gabe einfacher organischer Nitrate, wie Glyceroltrinitrat oder die Isosorbidnitrate. Die Nitrate, die schon seit über 100 Jahren zur Behandlung der Angina pectoris bei koronaren Durchblutungsstörungen eingesetzt werden, können bei gleichzeitiger Anwendung mit PDE-5-Hemmstoffen zu lebensgefährlichen Blutdruckabfällen führen. In der homosexuellen Community ist z.B. Amylnitrit (“Poppers“) in Gebrauch, was schon zu Todesfällen geführt hat.

In der Natur kommen PDE-5-Hemmstoffe offenbar nicht vor. Zumindest nicht in der dem Menschen zugänglichen Biosphäre, andernfalls wären sie im Laufe der Jahrtausende sicher längst identifiziert worden. Wenn Mann also das Bedürfnis hat, der Erektion medikamentös nachzuhelfen, ist Sildenafil eine wirksame Option. Dann allerdings mit ärztlicher Verschreibung und von einem seriösen pharmazeutischen Hersteller - und nicht in Form von pseudo-Naturmitteln zweifelhafter Herkunft und Qualität.


Literatur:

1. Dr. Ehab A. Abourashed: Planar-Chromatographie in der Praxis: Bestimmung von Sildenafil in Arzneimitteln und Aphrodisiaka auf pflanzlicher Basis; CBS 99 – Camag Bibliography Service Sep 2007: 6-7
2. Mikami E, Ohno T, Matsumoto H: Simultaneous identification/determination system for phentolamine and sildenafil in soft drinks advertising roborant nutrition ; Forensic Science international
3. Europäisches Arzneibuch 9.0 ; Monographie „Sildenfailcitrat“
4. Clarkes analysis of Drugs and Poisons, 4th edition, Ed. A.C. Moffart; Pharmaceutical Press 2011, ISBN 978 0 85369 711 4, Volume 2: S. 2055
5. Walter Sneader: Drug Discovery – A History; John Wiley & Sons Ltd. 2005,
ISBN 0-471-89980-1: 135-136
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher." (A. Einstein 1871 - 1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)
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MarbsLab
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Re: Nachweis und Bestimung von Sildenafil in angeblich pflanzlichen Potenzmitteln

Beitrag von MarbsLab »

lemmi hat geschrieben: Sonntag 30. November 2025, 21:55 Das Emblem erinnert an eine rechtspopulistische deutsche Partei. Der nach oben gebogene Pfeil soll eine energische Wende zurück zu einer Größe symbolisieren, die in dieser Form nie existiert hat. Die Alternative für alle, die keinen hochkriegen.
:mrgreen: Herrlich :thumbsup:
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Ralf
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Re: Nachweis und Bestimung von Sildenafil in angeblich pflanzlichen Potenzmitteln

Beitrag von Ralf »

Ich glaub, das ist sogar was Wahres dran! :lol:

In Kolumbien scheinen sie auch andere Probleme zu haben, als Arzneimittelkontrollen. :shock:
Chemie ist das, was knallt und stinkt, doch selten nur gelingt.
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mgritsch
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Re: Nachweis und Bestimung von Sildenafil in angeblich pflanzlichen Potenzmitteln

Beitrag von mgritsch »

lemmi hat geschrieben: Sonntag 30. November 2025, 21:55 Bei einem Spaziergang durch Bogotá fand ich auf der Plaza de Bolivar einen mobilen Verkaufsstand, an dem ein netter Mensch diverse Kräutermittelchen anbot.
na du gehst es ja schon richtig "in Serie" an, ein Präparat nach dem anderen :) Inhaltlich wie stilistisch 1A :thumbsup: Du wirst noch berüchtigt dafür, Kommissar lemmi und die Pharmamafia, da sollte man mal eine Serie draus machen ;)
Macht zusammen 600 mg (die Nachkommastellen stehen da wirklich!). Dass die Tabletten im Durchschnitt knapp 260 mg wiegen … geschenkt!

also ich komm da in Summe auf 800, aber auch schon egal.
Vielleicht ist ja mit einer Angabe wie "Extrakt aus Miura Puana-Rinde 125,000 mg" gemeint dass 125 mg Rinde extrahiert wurden? Bleibt halt nicht viel übrig dann :yeah:

Was du nicht erwähnt hast: ist das Produkt sonstig eigentlich völlig frei von pflanzlichen Inhaltsstoffen? Nicht mal ein Versuch den Anschein zu wahren? Ist die graubraune Farbe nur der schlechten Qualiät der Zutaten geschuldet?
reist man zurück in die Zukunft: ich habe die Tabletten zwei Monate vor dem angegebenen Herstellungsdatum gekauft!
dreiste shelf-life-Verlängerung oder ein möglicher Dreher mit dem amerikanischen Datumsformat?
Das Emblem erinnert an eine rechtspopulistische deutsche Partei. Der nach oben gebogene Pfeil soll eine energische Wende zurück zu einer Größe symbolisieren, die in dieser Form nie existiert hat. Die Alternative für alle, die keinen hochkriegen.
:angel: :thumbsup: :angel: :thumbsup:
Der Name verheißt eine Stählung des Lebens (lateinisch vita = Leben, ferrum = Eisen)
ich glaube da ist der Wunsch des Chemikers Vater des Gedanken ;) (Fremd-)Worte mit -fer (zB Lucifer oder der wissenschaftliche Namen für Weinreben, Vitis vinifera) entstammen dem lateinischen Verb ferre - bedeutet übersetzt "tragen" oder "bringen", Imperativ 1 - fer!
oder vielleicht denken die Latinos dabei auch an das spanische feroz = wild, gewaltsam.
sicher eine gewünschte Nebenwirkung :)
Darin sind u.a. PHB-Ester als Konservierungsstoffe genannt, die nur in flüssigen Zubereitungen einen Sinn machen.
PHB evtl ausschreiben, war mir nicht sofort klar.
Warum macht das nur in flüssigen Zubereitungen Sinn? Ethyl- und Methylester sind zumindest Feststoffe mit MP > 100°C. Und der Methylester könnte eine interessante Nebenwirkung haben:
https://de.wikipedia.org/wiki/4-Hydroxy ... ethylester
"In der Natur spielt der Stoff eine Rolle als Sexuallockstoff der läufigen Hündin." -passt doch super zum Präparat? :yeah:
Bodensatz einer Lösung von MM und VF-Tabletten [...] Mikrokristalline Zellulose ist ein häufig verwendeter Hilfsstoff bei der Tablettenherstellung.
hm ich habe mit dem Produkt keine Erfahrung, hätte mir da ein etwas "definierteres" Aussehen unter dem Mikroskop erwartet. Das sieht eher aus wie fein zermahlenes Gras... (+sonstiger Schmutz). Wie sieht professionelle mikrokristalline Cellulose sonst aus?
Der Zucker wurde dann dünnschichtchromatographisch identifiziert,
Eine großartige Methode! :thumbsup:
Sildenafil lässt sich außerdem mit Dragendorffs Reagenz anfärben, Tadalafil dagegen nicht
das Reagenz kenne ich namentlich, aber hatte damit nie zu tun. Worauf beruht die Färbung, was sagt sie über funktionelle Gruppen und wie sieht das auf der DC aus?
Rücktitration mit 0,1 N Natronlauge nach Lösen der isolierten Substanz in 0,05 N - 0,1 N Salzsäure in der Wärme. Sildenafil besitzt einen pkB-Wert von 5,3.[4] Für eine 0,025-molare Lösung errechnet sich daraus ein pH am Äquivalenzpunkt von 5,6, so dass Methylrot, bzw. der Mischindikator nach Tashiro für die Titration geeignet ist.
:thumbsup: Alles klar warum der pKb so kritisch war. Wobei es dabei natürlich rein praktisch völlig irrelevant ist welche Gruppe ihn beisteuert, Hauptsache der Wert stimmt.
Zukünftig kann ich bei Fehlen/Zweifeln/Unklarheiten der Literaturwerte nur empfehlen "auf Verdacht" jedenfalls eine potentiometrische Titration zu machen statt mit Indikator. Die Stufen kann man in Ruhe später interpretieren...
Bei Studienende fiel jedoch auf, dass sich mehrere männliche Probanden weigerten, die ihnen überlassenen Testtabletten zurückzugeben.

:yeah:
In der Natur kommen PDE-5-Hemmstoffe offenbar nicht vor. Zumindest nicht in der dem Menschen zugänglichen Biosphäre, andernfalls wären sie im Laufe der Jahrtausende sicher längst identifiziert worden.
sehr interessant. Manche meinen ja es gibt für alles ein Heilkraut in der Natur. Just dafür nicht.
Ob das evolutionäre Gründe hat? Und ist Impotenz erblich? :P
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lemmi
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Re: Nachweis und Bestimung von Sildenafil in angeblich pflanzlichen Potenzmitteln

Beitrag von lemmi »

mgritsch hat geschrieben: Montag 1. Dezember 2025, 22:09 Was du nicht erwähnt hast: ist das Produkt sonstig eigentlich völlig frei von pflanzlichen Inhaltsstoffen? Nicht mal ein Versuch den Anschein zu wahren? Ist die graubraune Farbe nur der schlechten Qualiät der Zutaten geschuldet?
Die in der Matrix vorhandene Zellulose ist sicher pflanzlichen Ursprungs. Aber irgendwelche nachvollziehbaren Pflanzenteile (Blattparenchym, Blütenbestandteile, Pollen, Haare ...) lassen sich nicht identifizieren. Bei den anderen beiden ist der Bodensatz so uneinheitlich, dass ich ihn einfach für undefinierten Dreck hielt. Aber auch die lösten sich klar in Schweizers Reagenz. Damit scheiden mineralische Verunreinigungen wie Sand oder Gips (okay, kleine Mengen davon wären wasserlöslich), aber auch simples Sägemehl weitgehend aus (Lignin löst sich soweit ich weiß nicht in Schweizers Reagenz). Ich vermute, dass es einfach ein möglichst billiger Füllstoff ist. Schlimmstenfalls gemahlener Karton oder Altpapier 8)

Auf sonstige Pflanzenbestandteile (man könnte nach Flavonoiden gucken, z. B. In einer DC mit dem Naturstoffreagenz nach Neu) habe ich nicht geprüft. Ehrlich gesagt erwarte ich da aber nichts. Die wären zur Irreführung des Publikums nicht relevant, allenfalls um die Behörden zu täuschen. Das haben solche Schwarzmarkt-Produzenten aber gar nicht erst vor.
Wie sieht professionelle mikrokristalline Cellulose sonst aus?
ich habe nochmal nachgelesen!
Nach dem Arzneibuch ist mikrokristalline Zellulose ein hochgereinigtes, partiell hydrolysiertes Präparat einer definierten Teilchengröße (20-150 μm) mit einem überwiegenden Anteil an kristallinen Teilchen. Das ist bei diesen Substanzen hier nicht der Fall. Man sieht ihnen, vor allem dem zweiten, die faserige Struktur stark an. Somit handelt es sich eher um Cellulosepulver. Bilder habe ich leider keine gefunden.
dreiste shelf-life-Verlängerung oder ein möglicher Dreher mit dem amerikanischen Datumsformat?
Weder - Noch. Das Datum war unmissverständlich: Monat in Buchstaben, dann die Jahreszahl. Und die Angaben sind eh fiktiv, die können draufschreiben was sie wollen. Ich glaube, da hat jemand einfach nicht aufgepasst
ich glaube da ist der Wunsch des Chemikers Vater des Gedanken ;)
Oder der des Arztes. Das Präparat Venofer® bezeichnet keineswegs einen Venenbringer oder -Träger sondern ein intravenös zu verabreichendes Eisenpräparat, genauso Ferlecit®. Und Eisen ist ein auch in Laienkreisen bekannter Mikronährstoff. Dagegen kennen die Kunden solcher Präparate die Feinheiten der lateinischen Sprache in der Regel nicht. Wobei die Assoziation mir Lucifer auch nahe liegt. :wink:
Warum macht das nur in flüssigen Zubereitungen Sinn? Ethyl- und Methylester sind zumindest Feststoffe mit MP > 100°C.
Tabletten werden nicht konserviert. Sie sind üblicherweise nicht durch mikrobielle Zersetzung gefährdet, weil sie staubtrocken sind. Die PHB-Ester ( Syn. Parabene) sind typischerweise in Tropfen, Säften oder in Cremes enthalten.
Dass sie eine natürliche Funktion haben können war mir nicht bekannt! Sie sind in der letzten Zeit als endokrine Disruptoren zunehmend in die Kritik geraten.
das Reagenz kenne ich namentlich, aber hatte damit nie zu tun. Worauf beruht die Färbung, was sagt sie über funktionelle Gruppen und wie sieht das auf der DC aus?
Das Tetraiodbismutat-Anion reagiert mit basischen Gruppen und bildet mit den in Frage kommenden Substanzen dunkel-orangengelbe Niederschläge . Es ist eines der klassischen Gruppenreagenzien auf Alkaloide, so wie Hexaiodoplatinat oder Tetraiodomercurat (Mayers Reagenz). Auf der DC gibt es orangene Flecken auf einen gelblichen Hintergrund. Meine DC sah so aus:

IMG_20251106_165454.jpg
v.l.n.r: viermal Sildenafil und ganz rechts Tadalafil.

Dass sich Tadalafil nicht abfärben lässt liegt daran, dass es keine basischen Gruppen besitzt (wie wir ausführlich erörtert haben :) )

Dragendorff ist eine Wissenschaft für sich, so etwa wie das Schiff'sche Reagenz. Im Europäischen Arzneibuch stehen geschlagene 6 Rezepturen für verschiedene Verwendungszwecke (es können auch 8 sein, zähl lieber mal nach! :mrgreen: ). Die als Sprühreagenz für die DC nach meiner Erfahrung am besten geeignete Zusammensetzung habe ich hier angegeben.
Zukünftig kann ich bei Fehlen/Zweifeln/Unklarheiten der Literaturwerte nur empfehlen "auf Verdacht" jedenfalls eine potentiometrische Titration zu machen statt mit Indikator.
Im Prinzip ja. Aber ich will jetzt auch nicht jedesmal für eine Fragestellung eine neue Elektrode kaufen (oder gar ein neues pH-Meter). In diesem Fall war die Indikatormethode perfekt. Meine Lehre aus der Sache ist: trau keinen pKs-Werten aus trüben Internetquellen, Schlag besser in seriöser Literatur nach!
Und ist Impotenz erblich? :P
Oh ja, durchaus! Selbst Unfruchtbarkeit kann vererbt werden - es gibt ja noch ICSI :yeah:
Ralf hat geschrieben: Montag 1. Dezember 2025, 04:13In Kolumbien scheinen sie auch andere Probleme zu haben, als Arzneimittelkontrollen. :shock:
Zum Beispiel Korruption. Vor einigen Jahren wurde in Kolumbien ein wirklich großer Arzneimittelskandal aufgedeckt. Der Hersteller eines ebenfalls angeblich pflanzlichen Produktes hatte demselben ein synthetisches Arzneimittel beigemischt und es offiziell behördlich registrieren lassen, natürlich ohne den Zusatz anzugeben. Nachdem in einem Unilabor - nicht etwa auf behördliche Initiative - der Schwindel aufgedeckt worden und das ganze in der Tagespresse veröffentlicht worden war, verbot die Arzneimittelbehörde dem Hersteller den weiteren Vertrieb. Der Hersteller wurde verklagt und verteidigte sich mit dem Argument, Unbekannte hätten sein Produkt kopiert und mit dem undeklarierten Zusatz auf den Markt gebracht. Sonderbarerweise hatten die Analysen in diversen Apotheken im ganzen Land aber keine Packungen ohne den Zusatz gefunden, so dass der "Nachahmer" den gesamten Markt beherrscht haben müsste. Nach zwei Jahren endete der Prozess mit einem Freispruch. Der Hersteller hatte den Behörden zurückgestellte Referenzmuster der beanstandeten Tabletten vorgelegt, die bei der Analyse - oh Wunder! - keine Zusätze enthielten. Eine Hausdurchsuchung oder Überprüfung der Produktionsanlagen wurde nie vorgenommen...
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher." (A. Einstein 1871 - 1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

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Uranylacetat
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Re: Nachweis und Bestimung von Sildenafil in angeblich pflanzlichen Potenzmitteln

Beitrag von Uranylacetat »

Hallo @lemmi,

ich finde es immer faszinierend, wie inspirierend Deine Reisen für interessante Mitbringsel und daraus sich ergebende Experimente sind. :thumbsup: Das gefällt mir sehr gut.

Mach bitte weiter so .... :wink:
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Alles ist Chemie, sofern man es nur "probiret". (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

„Dosis sola facit venenum.“ (Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus 1493-1541)

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lemmi
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Dünnschichtchromatographie von Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil

Beitrag von lemmi »

Fürs Protokoll noch eine Dokumentation der DC der drei gängigsten Phosphodiesterase 5- Hemmstoffe:

Untersuchungslösung: eine geschätzten 5 mg entsprechende Menge einer Tablette wird zerrieben, mit einer Mischung aus 50 μl Ammoniaklösung und 5 ml Aceton übergossen und in ein warmes Wasserbad gestellt. Nach 15 Minuten wird der klare Überstand für die DC verwendet. Aufzutragende Menge: 1-2 μl.

Horizontale DC-Kammer mit Kammersättigung

Fließmittel: Ethylacetat + Methanol + Ammoniak 25 % =. 8,5 + 1,0 + 0,5

Platten: HPTLC-Platte 5x5bcm, Sil G60 F254 in

Laufzeit: ca. 3,5 Minuten

IMG_20251214_093626.jpg
Detektion durch Fluoreszenzlöschung bei 245 nm.
Links: Sildenafil (etwas höher konzentriert als 1 mg/ ml). Rechts Vardenafil (unten) und Tadalafil (oben). Vardenafil fluoresziert bei 264 nm schwach hellblau.

IMG_20251214_093711.jpg
Die selbe Platte unter UV 365 nm: Vardenafil hellblau. Tadalafil fluoresziert kräftig orangegelb- hier ist die Detektion deutlich sensitiver als unter 254 nm.

hRf-Werte:
Sildenafil 0,34 und 0,35
Vardenafil 0,41 (nur einmal untersucht)
Tadalafil 0,5 und 0,54
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lemmi
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Re: Nachweis und Bestimung von Sildenafil in angeblich pflanzlichen Potenzmitteln

Beitrag von lemmi »

Ich mag die horizontale DC immer lieber! Mein Fließmittelverbrauch ist um gute 80 % gesunken. Und die Spots sind deutlich schärfer als auf meinen bisher verwendeten DC-Folien, was vermutlich an der besonderen Schicht liegt.

Außerdem fällt auf, dass die Spots bandförmig sind, obwohl die Probe (aus einer Kapillare) punktflrmig aufgetragen wird und in Form eines perfekten Kreises in die Schicht einsickert. Weiß jemand, wie dieser "Stauchungseffekt" zustande kommt?
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