Ich habe eine Frage zu dem analytisch "herausfordernden" pharmazeutischen Wirkstoff Pirocton-Olamin:
In einer sehr alten Vorschrift des Herstellers Hoechst wird das Material in kosmetisch-pharmazeutischen Formulierungen (z. B. Shampoos) nach der Reduktion mit Titan(III)-chlorid via RP-HPLC bestimmt (siehe Abschnitt 5.2).
Die Frage ist: In welcher Form wird das Pirocton-Olamin reduziert? Ein Angriff kann ja nur an der Keto-Gruppe des Rings stattfinden, oder sehe ich das falsch?
Es gibt zwar zahlreiche Veröffentlichungen zur Analytik dieses Wirkstoffs (auch mit Derivatisierungen usw.), aber Literatur zu Reduktion mit TiCl3 konnte ich nicht finden.
Kann jemand helfen?
Hallo Frank! Zu Picrotonolamin selbst habe ich nichts gefunden. Zu Titan(III)-chlorid steht bei Poethke (Praktikum der Maßanalyse, 1980), dass die Lösung Bedeutung "in der organischen Analyse zur Bestimmung von Nitrogruppen und organischen Farbstoffen erlangt" hat. Als einzige Literaturstelle ist dafür Weygand, Organisch-chemische Experimentierkunst, 2. Aufl. Leipzig 1948 angegeben.
Aber die Angabe weist darauf hin , dass wohl eher die N-O-Gruppe reduziert wird. Vielleicht auch beides (auch die Ketogruppe).
Was mich wundert ist der mituuführende "interne Standard". Was nehmen die da? Wird eine bekannte Menge Analyt mit Ti(III) reduziert und mitgeführt?
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher." (A. Einstein 1871 - 1955)
"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)
"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)
Ich habe beide Bücher in meiner Bibliothek und belese mich mal.
Die Analysenmethode verwendet keinen internen Standard, sondern externen Standard, d. h. die Standardlösung Pirocton-Olamin wird genauso mit TiCl3 behandelt (wird aktuell bei uns noch so gemacht).
lemmi hat geschrieben: Freitag 7. November 2025, 23:54
Intern, extern ... alles nur eine Frage der Blickrichtung!
Was ist da eigentlich genau der Unterschied?
Zur Ausgangsfrage: ich tippe auch sehr stark auf Reduktion des N-O.
Was hier vorliegt ist die tautomere (und deprotonierte) Form des 2-Hydroxypyridin N-Oxids. Das N-Oxid sollte leicht reduzierbar sein, das resultierende Pyriodon sehr stabil.
mgritsch hat geschrieben: Samstag 8. November 2025, 01:49
Zur Ausgangsfrage: ich tippe auch sehr stark auf Reduktion des N-O.
Was hier vorliegt ist die tautomere (und deprotonierte) Form des 2-Hydroxypyridin N-Oxids. Das N-Oxid sollte leicht reduzierbar sein, das resultierende Pyriodon sehr stabil.
Ok, stimmt, das wäre denkbar. Da hatte ich so nicht auf dem Schirm.
Besten Dank!