Volumenreduktion bei lösung

Fragen zur allgemeinen Chemie; alles, was in keine andere Kategorie passt.

Moderator: Moderatoren

Dark_Hagen
Illumina-Mitglied
Beiträge: 7
Registriert: Freitag 11. Dezember 2015, 11:49

Volumenreduktion bei lösung

Beitrag von Dark_Hagen »

Hallo zusammen,

heute ist mir beim Ansetzen einer Na2SO3 mal wieder aufgefallen, das sich beim Lösen manche Stoffe (z.B. NaOH) das Volumen nach dem auffüllen reduziert. Also einwaage + Wasser, dann schütteln und das Volumen geht zurück.

Ich erinnere mich wage das es in meiner Ausbildung als "Lösungsschwund" bezeichnet wurde, allerdings ohne Erklärung.

Weiß einer von euch was dabei passiert? :conf:
Benutzeravatar
Ralf
Illumina-Mitglied
Beiträge: 310
Registriert: Donnerstag 19. Dezember 2024, 19:28

Re: Volumenreduktion bei lösung

Beitrag von Ralf »

Moin Hagen,

das nennt man Volumenkontraktion. Kleine und große Moleküle/Ionen packen sich beim Mischen "effektiver" zusammen, sodass Hohlräume aufgefüllt werden. Bekannt ist das von Ethanol/Wasser.
Also einwaage + Wasser, dann schütteln und das Volumen geht zurück.
Meinst du wirklich das Volumen der Einwaage + das Volumen vom Wasser? Dann wäre die Erklärung dieselbe. Oder meinst du Gewicht der Einwaage + Volumen vom Wasser ergibt ein Volumen kleiner als das eingesetzte Volumen Wasser? Da hätte ich Zweifel, ob das überhaupt geht.
Chemie ist das, was knallt und stinkt, doch selten nur gelingt.
Dark_Hagen
Illumina-Mitglied
Beiträge: 7
Registriert: Freitag 11. Dezember 2015, 11:49

Re: Volumenreduktion bei lösung

Beitrag von Dark_Hagen »

Danke erstmal für die Antwort,
bis jetzt kenne ich das vom lösen von Feststoffen in Wasser. Bei Ethanol und Wasser ist mir das noch nie aufgefallen, muss ich mal ausprobieren.

Heute ist mir das wie gesagt bei Natriumsulfit aufgefallen. Ich habe ca 32g eingewogen und auf 500 ml aufgefüllt, dann geschüttelt und es waren ca. 5ml weniger.
Benutzeravatar
Ralf
Illumina-Mitglied
Beiträge: 310
Registriert: Donnerstag 19. Dezember 2024, 19:28

Re: Volumenreduktion bei lösung

Beitrag von Ralf »

Ok, also hast du quasi wirklich das Volumen vom Sulfit gemeint. Ja, dann kann das gut sein.
Chemie ist das, was knallt und stinkt, doch selten nur gelingt.
Benutzeravatar
schlemmiloom
Illumina-Mitglied
Beiträge: 267
Registriert: Dienstag 19. September 2023, 22:18

Re: Volumenreduktion bei lösung

Beitrag von schlemmiloom »

Je nachdem um welche Salze es geht, können auch immer Temperatureffekte eine Rolle spielen. Stichwort: Lösungsenthalpie
Die Frage ist manchmal, ob sich die Lösung beim Lösen des Salzes erwärmt oder abkühlt.

Dann muss sich vor dem endgültigen Einstellen des Endvolumens erst die Temperatur akklimatisieren, bzw. die Temperatur muss eingestellt werden, bevor das Wasser bis zur gewünschten Volumenmarkierung aufgefüllt wird.
Sonst lässt sich die Konzentration einer Lösung nicht exakt einstellen.

Bei Hydroxiden wie NaOH oder KOH ist der Lösevorgang exotherm. Bei Salzen wie Ammoniumnitrat oder Harnstoff ist der Lösevorgang endotherm.

Du kannst das Problem rechnerisch natürlich auch noch weiter aufdröseln in die Anteile, die jeweils zur Lösungsenthalpie beitragen, also Gitterenergie, Bindungsenergie, Solvatationsenergie.

Aber praktisch ist das weniger relevant, warum es wärmer oder kälter wird, wenn der Stoff gelöst wird.
Benutzeravatar
mgritsch
Illumina-Admin
Beiträge: 5541
Registriert: Montag 8. Mai 2017, 10:26
Wohnort: in den Misanthropen

Re: Volumenreduktion bei lösung

Beitrag von mgritsch »

Dark_Hagen hat geschrieben: Montag 19. Januar 2026, 15:06 Heute ist mir das wie gesagt bei Natriumsulfit aufgefallen. Ich habe ca 32g eingewogen und auf 500 ml aufgefüllt, dann geschüttelt und es waren ca. 5ml weniger.
die Kollegen haben es schon erklärt - das ist ein mehr oder weniger ausgeprägtes aber sehr häufiges Verhalten beim Lösen/Mischen von Stoffen. Die anschauliche Erklärung "sodass Hohlräume aufgefüllt werden" ist vielleicht ein bisschen zu bildlich, da sind keine "Hohlräume". Passender wäre dass die Wechselwirkung - das sich gegenseitig stärker aneinander klammern oder auch abstoßen - die Dichte einer Mischung verändern kann. Wenn Wasser und Alkohol stärker miteinander wechselwirken als Wasser+Wasser oder Alkohol+Alkohol dann ist die Konsequenz eine Kontraktion. Entsprechende Versuche kann man schön anschaulich machen, 2 gleich große Messzylinder, jeweils genau bis zur Hälfte befüllt, dann zusammenkippen und plötzlich fehlt was.

Ganz physikalisch genau kann man es hier nachlesen https://de.wikipedia.org/wiki/Partielle ... %B6%C3%9Fe aber das ist vielleicht ein bisschen zu abstrakt ;) Unter dem Stichwort "partielles Molvolumen" findet man aber sicher jede Menge passende Erklärungen in allen Komplexitätsstufen.

Zu dem was du hier schreibst- das ist natürlich noch ein anderer, viel trivialerer Grund: 32 g Sulfit ad 500 ml Wasser können schon keine 500 ml ergeben da die Dichte des Sulfits nicht gleich der von Wasser ist. Im dichten Feststoff sind die Moleküle viel enger gepackt.
Benutzeravatar
schlemmiloom
Illumina-Mitglied
Beiträge: 267
Registriert: Dienstag 19. September 2023, 22:18

Re: Volumenreduktion bei lösung

Beitrag von schlemmiloom »

mgritsch hat geschrieben: Montag 19. Januar 2026, 18:18 Ganz physikalisch genau kann man es hier nachlesen https://de.wikipedia.org/wiki/Partielle ... %B6%C3%9Fe aber das ist vielleicht ein bisschen zu abstrakt ;) Unter dem Stichwort "partielles Molvolumen" findet man aber sicher jede Menge passende Erklärungen in allen Komplexitätsstufen.
Die Thermodynamik Lehrveranstaltungen überlasse ich gerne den Mathematikern, damit die sich nicht so ausgegrenzt fühlen. :mrgreen:
Auch wenn ich mich eine ganze Zeit recht intensiv damit beschäftigt habe.
Das muss dann anschließend nur noch für Normalsterbliche kurz erklärt werden, damit die allgemeine Aufmerksamkeit beim Durchlesen nicht zu sehr abdriftet. :)
Dark_Hagen
Illumina-Mitglied
Beiträge: 7
Registriert: Freitag 11. Dezember 2015, 11:49

Re: Volumenreduktion bei lösung

Beitrag von Dark_Hagen »

32 g Sulfit ad 500 ml Wasser können schon keine 500 ml ergeben da die Dichte des Sulfits nicht gleich der von Wasser ist. Im dichten Feststoff sind die Moleküle viel enger gepackt.
Damit kann ich arbeiten. :thumbsup: So naheliegend, das ich selbst hätte rauf kommen können. Naja, manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Vielen Dank für die Tipps
Benutzeravatar
lemmi
IllumiNobel-Gewinner 2012
Beiträge: 6551
Registriert: Freitag 6. Januar 2012, 09:25

Re: Volumenreduktion bei lösung

Beitrag von lemmi »

EDIT by lemmi: aus der Artikelschmiede hierher verschoben
"Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden. Aber nicht einfacher." (A. Einstein 1871 - 1955)

"Wer nur Chemie versteht, versteht auch die nicht recht!" (G.C. Lichtenberg, 1742 - 1799)

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie gesehen haben." (Alexander v. Humboldt, 1769 - 1859)
Antworten